75 Jahre sind ein besonderer Moment. Sie laden dazu ein, zurückzublicken – auf Anfänge, auf Wege, auf Menschen. Auf Entscheidungen, die getragen haben, und auf Werte, die geblieben sind. Die Geschichte von Manten ist nicht nur die eines Unternehmens, sondern die einer Familie und vieler Wegbegleiter, die über Generationen hinweg Verantwortung getragen und Zusammenhalt gelebt haben.
1951 gründet Metzgermeister Heinrich Manten seinen Schlachtbetrieb in Geldern am Niederrhein. Es ist eine Zeit des Wiederaufbaus, des Anpackens und des Pragmatismus. Gemeinsam mit seiner Frau Maria legt er den Grundstein für ein Unternehmen, das von Anfang an von Bodenständigkeit, handwerklichem Anspruch und dem Willen geprägt ist, Verantwortung zu übernehmen – für Mitarbeitende, Lieferanten und Kunden. In diesen Jahren wächst nicht nur ein Betrieb, sondern ein Fundament, das über Generationen hinweg in Familienhand bleiben wird. Dass dabei nicht immer alles reibungslos läuft, versteht sich von selbst: Gerade in den Anfangsjahren mussten Entscheidungen getroffen, Risiken abgewogen und Rückschläge weggesteckt werden.
Für die Söhne Peter Franz und Heiner Manten ist das Unternehmen von klein auf Teil ihres Alltags. „Ich bin 72 Jahre alt – mich verbindet mit Manten also mein ganzes Leben“, sagt Peter Franz Manten. „Wir wohnten auf dem Firmengelände. Aus dem Fenster zu sehen, was im Betrieb passiert, gehörte einfach dazu. Manten war meine Schule, mein Spielplatz und mein erster Job zugleich.“ Auch sein Bruder Heiner erinnert sich an diese enge Verbindung. Das Unternehmen war nie nur Arbeitsplatz der Eltern, sondern fester Bestandteil des Familienlebens – mit allen schönen, aber auch fordernden Seiten, die das mit sich brachte.
Die nächste Generation übernimmt Verantwortung
Ende der 1960er-Jahre folgt ein entscheidender Schritt: der Umzug an den heutigen Standort in Pont. Mit ihm verändern sich Dimensionen und Möglichkeiten. Aus einem einzelnen Gebäude entwickelt sich Schritt für Schritt ein größerer Betrieb – immer begleitet von der Frage, wie Wachstum mit Verantwortung verbunden werden kann. „Mein Vater hat immer gesagt, dass ein Unternehmen nur dann Bestand hat, wenn man verlässlich ist – nur wer Qualität liefert, wird überleben. Dieses Denken prägt uns bis heute“, erinnert sich Peter. Mitte der 1970er-Jahren tritt er offiziell in das Unternehmen ein. An der Seite seines Vaters übernimmt er nicht nur die Produktionsleitung, sondern bald auch den Vertrieb. Eine Zeit des Umbruchs – die wachsende Nachfrage macht Erweiterungen notwendig, neue Gebäude entstehen, Prozesse verändern sich. „Ich habe damals Tag und Nacht gearbeitet: tagsüber Verkauf, nachmittags Pläne schreiben, nachts Zerlegung leiten. Diese Jahre der Expansion haben mich geprägt – sie haben mir gezeigt, was es bedeutet, Verantwortung zu tragen und anzupacken“, erinnert er sich.
Ende der 1980er-Jahre steigt auch Bruder Heiner in das Unternehmen ein und übernimmt die Bereiche Betriebstechnik, IT und Produktion. Mit ihm gewinnt die technische Weiterentwicklung an Bedeutung: Neue Systeme werden eingeführt, Abläufe digital unterstützt, Prozesse schrittweise optimiert – nicht als Selbstzweck, sondern um Qualität, Stabilität und Zukunftsfähigkeit zu sichern. „Technik soll die Arbeit erleichtern und Abläufe verlässlicher machen“, beschreibt er seinen Ansatz. Dass neue Lösungen nicht immer sofort auf Begeisterung stoßen, sondern manchmal viel Überzeugungsarbeit brauchen, gehört ebenso dazu wie der spätere Nutzen: Anfang der 1990er-Jahre entsteht eine softwaregesteuerte Kühlhaus-Sortierung – ein System, das bis heute im Einsatz ist. „Der Einstieg von Heiner war ein wichtiger Impuls für Prozessoptimierung und Digitalisierung“, sagt Produktionsleiter Markus Delbeck, der seit vielen Jahren im Unternehmen tätig ist.
Familie – ein gelebtes Prinzip
Mit den Jahren wächst das Unternehmen weiter, erschließt neue Märkte und erweitert seine Kapazitäten. Die Übernahme des Fleischmarkts Olpe Anfang der 2000er-Jahre markiert einen weiteren Meilenstein. Gleichzeitig entstehen neue Arbeitsbereiche und Strukturen. Klar ist dabei immer: Wachstum funktioniert nur mit den Menschen im Unternehmen – und das bedeutet auch, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und tragfähige Lösungen zu entwickeln. „Ohne unsere Mitarbeitenden geht hier nichts“, bringt es Peter auf den Punkt. Große Worte sind sonst nicht so sein Ding, aber bei diesem Thema wird er deutlich: „Wer ein Unternehmen führt und seine Leute nicht wertschätzt, ist am falschen Platz.“ Dieser Anspruch zeigt sich auch im Umgang mit internationalen Mitarbeitenden. Dazu gehören Wohnungen mit guter Ausstattung, Unterstützung im Alltag und langfristige Perspektiven. „Wenn Menschen aus dem Ausland zu uns kommen, sollen sie sich hier wohlfühlen und sich integrieren können.“ Eine Sichtweise, die sich für das Unternehmen auszahlt: Viele Beschäftigte bleiben dem Unternehmen über lange Zeit verbunden.
Was Manten bis heute trägt, ist ein Arbeitsumfeld mit kurzen Wegen, direktem Austausch und einem offenen Miteinander – auch über die Hierarchien hinweg. „Ein Familienunternehmen funktioniert nur, wenn man über seinen Tellerrand schaut, den Menschen zuhört, Vertrauen aufbaut und Verantwortung teilt“, sagt Heiner Manten. Besonders in schwierigen Phasen zeigt sich, wie wichtig eine gemeinsame Wertekultur ist. „Krisen wie die Corona-Pandemie haben gezeigt, dass wir gerade dann, wenn es darauf ankommt, an einem Strang ziehen,“ bestätigt Bettina Müller, die im Unternehmen für die Bereiche Organisation und Qualitätsmanagement zuständig ist: Mitarbeitende haben weit über ihre eigentlichen Aufgaben hinaus Verantwortung übernommen, improvisiert und miteinander Lösungen gefunden. „Es war unglaublich zu sehen, wie jeder Einzelne sich eingebracht hat – ohne zu fragen, ob es zu seinem Job gehört. Da hat man deutlich gespürt, wie stark der Zusammenhalt ist.“
Verantwortung mit Blick auf morgen
Heute steht Manten an der Schwelle zwischen Vergangenheit und Zukunft. Die nächste Generation ist längst am Start: Sebastian Manten, ältester Sohn von Peter, ist seit 2021 Teil der Geschäftsführung und übernimmt Schritt für Schritt Verantwortung in der Unternehmensgestaltung – mit frischem Blick, neuen Ideen und dem Rückhalt der Werte, die das Unternehmen seit 75 Jahren prägen. Für ihn bedeutet diese Aufgabe vor allem eines: verlässlich für Mitarbeitende, Kunden, Lieferanten und die Unternehmenskultur einzustehen. „Geprägt haben mich vor allem mein Vater und mein Onkel“, sagt Sebastian. „Sie haben unterschiedliche Ansätze – und ja, manchmal kracht es auch. Aber am Ende haben sie das Unternehmen immer gemeinsam weitergebracht.“ Die gewachsene Führungstradition ist für Sebastian kein starres Erbe, sondern eher ein Orientierungsrahmen: „Es geht darum, Bewährtes weiterzuführen und gleichzeitig offen für neue Wege zu bleiben.“ Nachhaltigkeit, Tierschutz und die Herausforderungen einer sich wandelnden Branche rücken dabei noch stärker in den Fokus – getragen von den Prinzipien, die das Unternehmen seit Generationen auszeichnen: Qualität, Vertrauen und Verlässlichkeit.
Das 75-jährige Jubiläum ist für ihn deshalb weniger ein nostalgischer Rückblick als eine Momentaufnahme: „Dieses Jubiläum ist ein Dank an alle, die Teil unserer Geschichte sind – und ein Versprechen, den Weg weiterzugehen: gemeinsam, verantwortungsvoll und mit Blick nach vorn“, sagt Sebastian Manten.